Baumkontrollen

 "Laßt uns die Bäume lieben,
die Bäume sind uns gut,
in ihren grünen Trieben
strömt Gottes Lebensblut ..."

(Gedicht aus der Sammlung "Wegzehrung" von Albert Steffen)

 

Bäume sind uns nicht immer nur gut. Durch ihre enorme Größe und das große Gewicht stellen sie insbesondere in den Städten und an außerörtlichen Straßen eine potentielle Gefahr dar. Tatsächlich kommen durch umstürzende Bäume oder abbrechende Baumteile jedes Jahr Menschen ums Leben beziehungsweise werden verletzt und es werden große Sachschäden angerichtet.

Viele -nicht alle!- dieser Fälle von Baumversagen sind anhand der Ausbildung bestimmter Defektsymptome vorhersehbar. So lässt zum Beispiel die Ausbildung von Pilzfruchtkörpern bestimmter holzabbauender Arten immer einen eindeutigen Rückschluss auf eine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit zu.

Weist ein umgestürzter Baum die Ausbildung eindeutiger Defektsymptome auf, d.h. das Baumversagen war vorhersehbar, kann der Baumeigentümer wegen Verletzung der ihm obliegenden Verkehrssicherungspflicht für den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden.

 

TERMINE


Biostatische Baumkontrolle - Teil 1

Biostatische Baumkontrolle - Teil 2

Biostatische Baumkontrolle - Teil 3


Zur Symptombildung an Bäumen

 
Baum gegen Bau: Windwurf aufgrund eines baumstatischen Defektes.

 

Deshalb werden vor allem von den Eigentümern großer Baumbestände, wie zum Beispiel Grünflächenämtern oder Straßenbauämtern, Baumkontrollen durchgeführt. Baumkontrollen dienen

1. einer Kontrolle hinsichtlich der Baumstatik (Verkehrssicherheit, Stand- und Bruchsicherheit) und

2. einer Kontrolle hinsichtlich des Gesundheitszustandes bzw. notwendiger Pflegemaßnahmen.


Erstmals stellte RUGE (1971) eine allgemeingültige "Dienstanweisung zur Überwachung von Straßenbäumen" vor. Im wesentlichen bestand sie aus einer Checkliste mit 15 Merkmalen, auf die bei Baumkontrollen geachtet werden sollte. Insbesondere von der GALK und FLL wurde sie fortgeschrieben und immer wieder aktualisiert.

1987 zeigte EHSEN Möglichkeiten der Beurteilung von Baumschäden auf ("System Ehsen" zur Baumkontrolle). Es wird ebenfalls eine Kriteriencheckliste, unterteilt in die Bereiche Wurzel, Stamm und Krone, vorgestellt. Das "System Ehsen" ist heute kaum noch bekannt. Spätere Kontrollmethoden fußen teilweise auf dessen Grundlagen.

1993 wurde von MATTHECK + BRELOER die "VTA-Methode" (VTA = Visual Tree Assessment) in die Fachwelt eingeführt. Die Methode basiert im wesentlichen auf der Hypothese der konstanten Spannung. Vor allem daraus wurde ein umfangreicher Defekt-Symptomkatalog abgeleitet. Außerdem wurden bereits bekannte Symptome integriert. Eine Bewertung der Gefährlichkeit von Symptomen erfolgt nicht.

Die von REINARTZ + SCHLAG 1997 vorgestellte "Integrierte Baumkontrolle" stellt vor allem die Bedeutung von Baumpilzen und Möglichkeiten der Erkennung pilzbedingter Schäden heraus. Weitere Symptome werden vorgestellt und zum Teil erläutert. Eine Checkliste unterscheidet in die Bereiche Wurzel, Stamm und Krone.
Insbesondere hinsichtlich eines Pilzbefalles erfolgt eine Bewertung der Gefährlichkeit von Symptomen.

Mit der "Hamburger Baumkontrollmethode" (Dujesiefken et.al. 1999) wurde nach Baumarten unterschieden eine Auflistung von Symptomen vorgestellt und erläutert. Des weiteren wird eine allgemeingültige Checkliste zur Baumbeurteilung, unterteilt in die Bereiche Wurzel, Stamm und Krone, aufgeführt.
Teilweise erfolgt eine Bewertung der Gefährlichkeit von Symptomen.

Im Jahr 2000 wurde die eigene "Biostatische Baumkontrollmethode" (= biologisch und baumstatisch begründete Kontrollmethode) vorgestellt. Es werden vor allem die 8 wichtigsten eindeutigen Schadsymptome ausführlich behandelt sowie weitere hinweisende Symptome aufgezeigt und erläutert. Zum größten Teil erfolgt eine Bewertung der Gefährlichkeit von Symptomen (Aufsatzlinks diese Seite oben).


Zur VTA-Methode:
Der große Schwachpunkt dieser häufig angewandten Baumkontrollmethode: Es fehlt eine Zuordnung der in großer Zahl aufgeführten Defektsymptome hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Stand- und Bruchsicherheit von Bäumen. Hält man sich streng an den vorgegebenen Symptomkatalog, ist kaum ein Altbaum frei von Defektsymptomen.

Dies liegt an dem einseitigen baummechanischen Modell, das der VTA-Methode zugrunde gelegt wurde. Dabei wird der Baum als sich selbst reparierender Lastträger (Hypothese der konstanten Spannung) betrachtet. Biologische und physiologische Aspekte, die bei Symptombildungen auf der Baumoberfläche ebenfalls eine bedeutsame Rolle spielen, werden nicht berücksichtigt.

Mit dieser Methode untersuchte sehr alte, oftmals als Naturdenkmal geschützte Bäume werden nach eigenen Praxiserfahrungen oft falsch beurteilt und sollen dann vorzeitig gefällt werden (vergl. hierzu eigene Fachveröffentlichungen in STADT UND GRÜN). Dies liegt vor allem daran, das die Methode auf der offenbar unzutreffenden Annahme einer konstanten Spannung auf der Baumoberfläche beruht (vergl. hierzu auch GAFFREY in STADT und GRÜN 50 (Januar) sowie sich wissenschaftlicher Prüfung von Professor Gruber auch in anderen wesentlichen Teilen auf ungesicherte Erkenntnisse stützt:
* Gruber, F.: Die VTA-0,32-Restwandstärkenregel, wissenschaftlich unhaltbar, und praktisch unbrauchbar. Agrar- und Umweltrecht, 1/2007 a, S. 6 ff.,
* Gruber, F.: Die VTA-Rw/R-Grenzregel zum Baumwurf, ein weiteres wissenschaftlich nicht nachvollziehbares und praktisch inadäquates Versagenskriterium der Standsicherheit. Agrar- und Umweltrecht, 3/2007 b, S. 73 ff.,
* Gruber, F.: Die wissenschaftlich nicht nachvollziehbare VTA-h/D=50-Grenzkonstante, ein kaum brauchbares, nicht justitiables Verkehrssicherheitskriterium. Agrar- und Umweltrecht, 8/2007 c, S. 267 ff.,
* Gruber, F.: VTA-Schlankheitskonstanten sind wissenschaftlich unhaltbar. ProBaum 4/2007 d, S. 16 ff.

In der nachfolgenden eigenen wissenschaftlichen Ausarbeitung wird die Hypothese der konstanten Spannung kritisch hinterfragt (veröffentlicht in STADT UND GRÜN, Heft 1 (2001).


Wissenschaftlicher Exkurs – Zur Hypothese der konstanten Spannung an Bäumen

Das Modell des Ingenieurbaumes und der biologische Baum

1. Einleitung zum o.g. Aufsatz
2. Zum Axiom konstanter Spannung
3. Zur natürlichen Auslese beim Waldwachstum
4. Zur Phylogenese
4.1. Zur Anpassung der Wasserleitungsfunktion
4.2. Zur Anpassung der Festigungsfunktion
4.3. Zu den nachweislichen Anpassungen an die
4.3.1 Die Windflucht
4.3.2 Der vorgesehene Verlust von Baumteilen
4.3.3 Die Anpassung der Stammform und -dicke
4.3.4 Materialanpassung
4.3.5 Baumdesign in Abhängigkeit von Umweltbedingungen
5. Zur Reaktionsholzbildung
6. Zur Wundholzbildung
7. Der Stammumfang - ein Maß für die Windlast?
8. Zu Defekt-Symptomen und ihrer Bewertung
9. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis