Baumkontrollen

Das Modell des Ingenieurbaumes und der biologische Baum

 

Verfasser:
Thomas Sinn
Baumkontroll- und Sachverständigenbüro
Auf dem Niederberg 18
61118 Bad Vilbel

 

7. Der Stammumfang - ein Maß für die Windlast ?

 

Tatsächlich weisen freistehende Bäume mit großer Windangriffsfläche einen größeren Stammdurchmesser auf als kleinere Bestandsbäume. Der Bezug zur Windlast scheint gegeben. Dem steht jedoch entgegen, daß Bestandsbäume, die im Waldesinnern genügend Raum haben, trotz vollem Windschutz, das heißt geringer äußerer Belastung, ebenfalls den wesentlich größeren Stammdurchmesser entwickeln (vergl. OSTERLOH und SINN 1994).

Bei Felduntersuchungen wurde nachgewiesen, daß die Querschnittsfläche des Stammes häufig mit dem Gewicht der von ihr versorgten Blätter eng korreliert (SHIMOZAKI et al. zitiert in KAUSSMANN und SCHIEWER 1989) und nicht mit der Windlast (SINN 1992 a, WESSOLLY 1995).
SCHILLER-TIETZ beschreibt bereits 1908 die akribisch durchgeführten Untersuchungen an zwei Fichten-Altbäumen zur Abhängigkeit des Zuwachses von der Blattmasse: "... an zwei auf genau gleichem Standorte erwachsenen Fichten erbracht, von denen die eine vollständig frei, die andere aber im geschlossenen Bestand wuchs. Beide standen in einer Meereshöhe von rund 1060 m auf tiefgrundigem, fruchtbarem Mergelboden, und beide Bäume besaßen genau dieselbe Höhe von 25 m. Im übrigen entsprachen die beiden Bäume dem normalen Durchschnitt ...

Die Ergebnisse der Untersuchungen im einzelnen:"

 

 
Freistehende
Fichte
Fichte im lockeren
Bestandsschluß
Astholz
Feines Reisig

Nadeln (Anzahl)
Nadeln (Gewicht)
Verhältnis (Gewicht)

Gesamte Holzmasse
Verhältnis (Gewicht)
1.280 kg
1.825 kg

137 Mio.
1.170 kg
100 %

4,25 cbm
100 %
126 kg
166 kg

14 Mio.
95 kg
8,1 %

0,40 cbm
9,4 %

 

"...Verhielt sich die Blattmasse der beiden Bäume nach dem Gewichte wie 100 : 8,1, so entspricht ihre Holzmasse dem Verhältnis von 100 : 9,4, der Zuwachs verhält sich also annähernd proportional der Blattmasse." (SCHILLER-TIETZ 1908).

 

Der Stammumfang ist demnach kein Maß für die Windlast, sondern in erster Linie für die Photosyntheseleistung des Baumes in Abhängigkeit von der Blattfläche (Anzahl Licht- und Schattenblätter) und den Ernährungsverhältnissen, von der artspezifischen und individuellen Leistungsfähigkeit, der sozialen Stellung usw.

Bleibt anzumerken, daß es auch dabei Ausnahmen von der Regel gibt: Bei den meisten Monokotyledonen erfolgt nach dem primären Dickenwachstum in Scheitelnähe keine weitere Erstarkung des Stammes, obwohl zum Beispiel Palmen, die fast 60 m hoch werden können (WAGENFÜHR 1988), sehr hohen Windlasten widerstehen müssen.

8. Zu (Defekt-)Symptomen und ihrer Bewertung

 

  


Wissenschaftlicher Exkurs – Zur Hypothese der konstanten Spannung an Bäumen

Das Modell des Ingenieurbaumes und der biologische Baum

1. Einleitung zum o.g. Aufsatz
2. Zum Axiom konstanter Spannung
3. Zur natürlichen Auslese beim Waldwachstum
4. Zur Phylogenese
4.1. Zur Anpassung der Wasserleitungsfunktion
4.2. Zur Anpassung der Festigungsfunktion
4.3. Zu den nachweislichen Anpassungen an die
4.3.1 Die Windflucht
4.3.2 Der vorgesehene Verlust von Baumteilen
4.3.3 Die Anpassung der Stammform und -dicke
4.3.4 Materialanpassung
4.3.5 Baumdesign in Abhängigkeit von Umweltbedingungen
5. Zur Reaktionsholzbildung
6. Zur Wundholzbildung
7. Der Stammumfang - ein Maß für die Windlast?
8. Zu Defekt-Symptomen und ihrer Bewertung
9. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis